Unsere früheren Hunde kamen aus dem Tierheim oder sind auf Umwegen zu uns gekommen. Wir haben diese Zeit nicht bereut – sie war intensiv, bereichernd und manchmal auch schlicht anstrengend. Vor allem haben wir sehr konkret gelernt, was es bedeutet, wenn Herkunft, Prägung und Belastbarkeit nur schwer einschätzbar sind: Man bekommt nicht „den Hund“, sondern ein ganzes Bündel aus Vorgeschichte, Erfahrungen und gelegentlich auch Baustellen – und arbeitet sich dann gemeinsam in einen alltagstauglichen Rhythmus hinein. Das kann wunderbar gelingen. Es kann aber auch ein langer Weg sein.
Dazu kam ein zweiter Punkt, der uns mit den Jahren immer wichtiger wurde: die Gesundheit. Ausgerechnet bei einigen Mischlingen begegneten uns Erkrankungen, die man typischerweise aus bestimmten Rassen kennt – also genau jene Themen, die verantwortungsvolle Zucht durch Untersuchungen und Auswahl langfristig reduzieren möchte. Der entscheidende Unterschied war für uns nicht „Rasse“ gegen „Mischling“, sondern Planbarkeit: Bei einer guten Zucht werden Elterntiere geprüft, Linien betrachtet und Risiken bewusst eingegrenzt. Bei ungeplanten Verpaarungen wird das meist nicht systematisch gemacht – man kann großes Glück haben, man kann aber eben auch Pech haben. Dieses Pech sitzt dann nicht im Fell, sondern in Hüfte, Augen oder Rücken…. und eigentlich laufen und sehen Hunde eigentlich schon ziemlich gerne…
Als unser letzter Schützling uns sehr plötzlich verlassen hat, stand für uns fest: Der nächste Hund soll aus einer transparenten, verantwortungsvollen Zucht kommen – mit nachvollziehbarer Ahnentafel, dokumentierten Gesundheitswerten und einer Aufzucht, bei der Sozialisation nicht als Schlagwort, sondern als Konzept verstanden wird. Charakterlich hatten wir ebenfalls eine klare Vorstellung: ein durchweg freundlicher Hund, ohne Wach- oder Schutztrieb, kinderfreundlich, möglichst wenig Jagdtrieb – und vor allem ein Hund, der sich in den Familienalltag einfügt, nicht nur „mitläuft“, sondern Beziehung sucht. Nach der Beschäftigung mit verschiedenen Rassen wurde der Collie für uns schnell zum naheliegenden Kandidaten. Ausschlaggebend war weniger die Optik als das Wesen, das wir im Kontakt immer wieder ähnlich erlebt haben: die typischen Collies sind sozial fein, kooperationsbereit und in ihrer Präsenz angenehm unaufdringlich. Sie sind zudem ausgesprochen kommunikativ – nicht im Sinne von Daueraktion, sondern aufmerksam, differenziert und nah am Menschen.
Was uns im Alltag besonders überzeugt, ist ihre Art zu lernen. Collies „arbeiten“ oft nicht über endlose Wiederholungen, sondern über Beobachtung und Verständnis. Sie erfassen Situationen schnell, reagieren flexibel und passen ihr Verhalten an. Das zeigt sich auch im Familienleben: Sie orientieren sich nicht an starren Hierarchien, sondern an Beziehungen. Wenn Kommunikation klar und fair ist, kooperieren sie häufig mit allen – auch mit Kindern – und nicht nur mit einer einzigen „Bezugsperson“.
Dazu kommt dieses typische „Mitdenken“, das man erst richtig schätzt, wenn man es erlebt. Eine Alltagsszene: Man hält kurz am Straßenrand, räumt etwas ins Auto, der Hund steht daneben. Auf der anderen Straßenseite läuft ein Hund vorbei oder eine Katze – und trotzdem bleibt der Collie in der Situation, weil er verstanden hat, was gerade gefragt ist. Natürlich klappt das nicht automatisch vom ersten Tag an. Aber sobald ein Collie die Aufgabe in einem Moment begriffen hat, versucht er sie verlässlich zu erfüllen – nicht aus Starrheit, sondern aus Einsicht. Für uns heißt das: Der Tag muss sich nicht permanent um den Hund drehen. Er läuft oft einfach mit – aufmerksam, aber nicht nervös; präsent, aber nicht fordernd. Und er verliert vergleichsweise selten „den Kopf“ oder schaltet abrupt auf reinen Trieb. Auch im Umgangston spürt man schnell, was zu dieser Rasse passt. Collies reagieren häufig sensibel auf unnötige Härte. Druck, Lautstärke oder grobe Korrekturen führen selten zum Ziel; sie erzeugen eher Rückzug. Ruhige Klarheit, Fairness und Konsequenz funktionieren deutlich besser – und werden in der Regel mit einer hohen Bereitschaft zur Zusammenarbeit beantwortet.
Und ja: Langhaar klingt zunächst nach großem Pflegeaufwand. In unserem Alltag ist es gut handhabbar. Regelmäßiges Bürsten reicht außerhalb des Fellwechsels meist aus; während der Fellwechselphasen fällt die Arbeit dann gebündelt an. Schmutz trocknet häufig ab und lässt sich ausbürsten, weil die Unterwolle viel abfängt.
Kurz: Wir haben uns nicht „gegen“ den Tierschutz entschieden, sondern – nach unseren Erfahrungen – bewusst für mehr Transparenz und Planbarkeit. Der Collie passt zu unserem Alltag, weil er freundlich ist, situativ mitdenkt und das Familienleben eher stabilisiert als permanent in Anspruch nimmt.
