In der Hundezucht ist es – wie in jedem guten Team – so, dass beide Seiten ihren Beitrag leisten müssen: Der Züchter bringt Verantwortung, Wissen und Zeit ein, und der Hund sollte die gesundheitlichen und rassetypischen Voraussetzungen mitbringen.
Damit im VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) nicht nur gute Absichten zählen, sondern auch nachprüfbare Qualität, gelten für VDH-Züchter klare Vorgaben. Dazu gehören belegbares Wissen über die Rasse und Hundehaltung, passende Haltungs- und Aufzuchtbedingungen nach dem Tierschutzgesetz sowie regelmäßige Kontrollen durch Zuchtwarte bzw. Rassebeauftragte der jeweiligen Rassevereine (beim Collie z. B. Club für Britische Hütehunde und Deutscher Collie Club).
Bevor ein Züchter VDH/FCI-geschützte Würfe planen darf, gehören in der Regel dazu:
* Teilnahme an Seminaren und Vorträgen (z. B. Genetik, Recht, Trächtigkeit und Aufzucht)
* Austausch und Lernen auf Züchterseminaren und Ausstellungen
* Literaturstudium und Fortbildung (teils mit Prüfungen/Nachweisen)
* Zuchtstättenabnahme/Kontrolle der Aufzuchtbedingungen durch den Zuchtwart
Alle damit verbundenen Kosten (Seminare, Ausstellungen, Untersuchungen, Gebühren) trägt der Züchter selbst. Ist alles erfüllt, wird der Zwingername international über die FCI geschützt – und der Züchter ist autorisiert, im Rahmen dieser Regeln zu züchten.
Für Welpenkäufer hat das einen großen Vorteil: Sie können davon ausgehen, dass bei einer VDH-Zucht Mindeststandards nicht verhandelbar sind – vor allem bei Gesundheit, Wesen und rassetypischen Merkmalen. Natürlich hat jeder Züchter auch persönliche Vorlieben (z. B. bei Größe, Fell oder Linien), aber grundlegende Anforderungen müssen erfüllt sein.
Denn ein Rassehund wird meist gezielt gewählt, weil bestimmte Eigenschaften erwartet werden: Ruhe und Belastbarkeit, Arbeitsfreude, Familienfreundlichkeit, Nervenstärke – je nachdem, wofür der Hund später gedacht ist. Ein guter Züchter wird ehrlich sagen, wenn seine Rasse oder eine bestimmte Verpaarung nicht zu Ihren Erwartungen passt.
Bevor Elterntiere eingesetzt werden, müssen sie im VDH in der Regel:
* auf Ausstellungen mehrfach und unter verschiedenen Richtern bewertet werden (Formwert)
* relevante Gesundheitsuntersuchungen vorweisen (z. B. Hüften, Augen, Gebiss; je nach Rasse auch weitere Tests)
* anschließend offiziell zur Zucht zugelassen werden
Bis aus Wissen, Zwingerschutz und geeigneten Elterntieren ein verantwortungsvolles Zuchtteam wird, können gut zwei Jahre vergehen. Und wichtig ist: Auch die Vorfahren in der Ahnentafel mussten diese Standards erfüllen – das schafft eine nachvollziehbare Grundlage für Planung und Auswahl.
Ein Punkt wird dabei oft unterschätzt: VDH-Papiere dienen nicht nur dem Käufer – sie dienen vor allem auch dem Hund.
Denn mit den Papieren gehört der Hund zu einem organisierten Netzwerk: Die Rassevereine führen Züchterlisten bzw. Datenbanken, es gibt Zuchtwarte und Tierschutzbeauftragte als Ansprechpartner, und es bestehen klare Zuständigkeiten, wenn ein Hund in eine Notlage gerät.
Das bedeutet ganz praktisch:
Wenn ein Hund mit VDH-Papieren nicht in seiner Familie bleiben kann, ist der Züchter in der Regel die erste Anlaufstelle – er unterstützt, hilft bei einer Lösung oder nimmt den Hund zurück. Und falls das im Einzelfall nicht möglich ist, greifen Verein und Funktionsträger (z. B. Zuchtwart/Tierschutzbeauftragte) unterstützend ein.
Wenn alle Beteiligten diese Regeln ernst nehmen, sollten Rassehunde mit VDH-Papieren im Idealfall nicht im klassischen Tierschutz „landen“ müssen – auch deshalb sieht man sie dort vergleichsweise selten.
Ein gewissenhafter Züchter möchte vor allem, dass Hund und Familie wirklich zusammenpassen – und dass beide langfristig glücklich miteinander sind. VDH-Papiere stehen dabei nicht „nur“ für einen Stammbaum, sondern auch für überprüfbare Standards, dokumentierte Zuchtarbeit und ein funktionierendes Sicherheitsnetz.
Weitere Infos:
[www.vdh.de](http://www.vdh.de)
[www.deutschercollieclub-ev.de](http://www.deutschercollieclub-ev.de)
[www.cfbrh.de](http://www.cfbrh.de)
[www.fci.be](http://www.fci.be) (hier kann man prüfen, ob ein Züchter im FCI/VDH-System geführt wird)
